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Speckerl, Fleckerl und Steckerl - petraSUKIsuk - Kinderbuch - Leseprobe - VERLAG SUCHE
Leseprobe - Speckerl, Fleckerl und Steckerl

AUSZUG   KINDERBUCH

 

Autorin : petraSUKIsuk

Titel:

Speckerl, Fleckerl und Steckerl

 

 

Kapitel 1

Drei Freunde

 

 

Es war wieder ein sehr heißer Sommertag. Die Sonnenstrahlen schienen hell durchs Küchenfenster und trafen auf einen Berg voller Wurstscheiben.

In allen Variationen lagen sie da. Groß und dick, mittel und rund, ein wenig schief geschnitten und verrunzelt, aber immer schön sauber, ohne Rand. Sie warteten geduldig darauf, in eine Semmel gepackt zu werden. Denn das geschah jeden Tag. Immer um dieselbe Zeit. Ob Sommer ob Winter, im Frühling oder Herbst, zu Ostern, Geburtstag oder Weihnachten. Es gab immer nur eine Lieblingsspeise. Wurstsemmeln! Es gab überhaupt keinen einzigen Tag in seinem Leben, ohne diese Wurstsemmeln.

Eigentlich sah er selbst aus wie eine.

Schwammig um die Bauchmitte herum, rosafarben im Gesicht und er hatte das Gewicht eines Elefanten. Ein echt starker Kerl.

Sein Name?

Speckerl. Und er war der beste Freund von Fleckerl und Steckerl.

  

 Im Moment stand ihm der Schweiß auf der Stirn, denn er bemühte sich, wie jeden Tag, das kleine schwarze Küchenmesser, gerade zwischen seinen dicken großen Fingern zu halten. Er wollte schöne Wurstscheiben schneiden, doch unter seinen dicken Fingern, verschwand das kleine schwarze Küchenmesser immer wieder. So wurden es sehr eigenwillige Wurst Kreationen, die später auf 45 Semmeln aufgeteilt wurden. 45 Wurstsemmeln mussten es schon sein und die kamen dann allesamt in seinen Rucksack. So konnte sie Speckerl überall hin mitnehmen. Kann man sich das vorstellen? 45 Wurstsemmeln? Nein, oder? Das klingt nach sehr viel Essen, aber für Speckerl war das eine kleine Stärkung, wie er es liebevoll nannte.

Er hatte einfach immer Hunger. Schon als kleiner Junge war er kugelrund und alle riefen ihn nur Speckerl, weil er so viel Speck an den Hüften trug. Ihm machte das aber nichts aus, denn solange er genug zu essen hatte, war er friedvoll und fröhlich.

Seine semmelbraune Cordhose, war eine Sondergröße und hatte einen riesigen Gummizug. Doch immer, wenn sich Speckerl bücken musste, lugte sein rosa Popo hervor, darum trug er vorsichtshalber feste Hosenträger, auf die er sich immer verlassen konnte. Denn er wollte niemandem freiwillig seinen Popo zeigen. Speckerl liebte seine braune Cordhose.

Sie war kuschelig und warm und hatte zwei große Hosentaschen vorne und zwei mittlere Hosentaschen hinten. An den Seiten gab es ebenfalls zwei Hosentaschen, die waren allerdings noch größer und tiefer, um noch mehr Wurstsemmeln zu transportieren, wenn der Rucksack schon voll war.

Speckerl liebte auch seinen hellrosafarbenen Pulli, den er jahrein jahraus trug. Der Pulli hatte vorne an der Brust einen bunten Farbdruck und man erkannte bei der unglaublichen Masse seines Körpers, ein sehr großes Bild. Zu sehen war eine Wurstsemmel, die von einer anderen Wurstsemmel gefressen wurde. Auch nicht gerade freundlich, aber Speckerl fand es immer lustig, wenn die Leute dann nicht nur über ihn lachten, sondern auch über seinen lustigen Pulli. Es war einfach nicht zu glauben, aber bei Speckerl drehte sich alles immer nur, ums Essen und seine Wurstsemmeln.

Sein Pulli und seine Hose wurden zwar einmal in der Woche gewaschen, aber dann nur ganz schnell, damit er alles gleich wieder am nächsten Tag anziehen konnte.

Das Waschen übernahm nicht er, denn im Haus galten strenge Regeln, die einzuhalten waren. Dazu gehörte eine Person, die immer alles kontrollierte, alles korrekt ausführte, alles in Ordnung hielt und obwohl er nicht musste, eine Art Hausmeister und Mädchen für alles war. Und der hieß, Steckerl.

  Plötzlich hörte man seine Stimme aus dem obersten Stockwerk. Sie klang sehr elegant und nasal. So, wenn man sich die Nase beim Reden zuhält. Höflich, aber bestimmend schallte es durchs Haus >>Speckerl, mein guter Freund, hörst Du mich?! << Es kam keine Antwort.

Speckerl hatte sich nämlich in der Zwischenzeit seine erste, zweite, dritte und vierte Wurstsemmel gleichzeitig in den Mund geschoben und die fünfte passte auch noch irgendwie rein. Mit vollgestopftem Mund, waren auch die Ohren vollgestopft und er hörte so gut wie gar nichts. Nicht mal einen Pieps konnte er von sich geben oder hören.

>>Speeeeeckerl mein lieber Freund! << kam es noch einmal ein wenig lauter, aber immer noch sehr vornehm, aus dem ersten Stock. Aber Speckerl konnte nicht antworten, da er einfach viel zu beschäftigt war, seine sechste, siebente, achte, neunte und auch zehnte Wurstsemmel, mit aller Genüsslichkeit, in seinen bereits wurstverschmierten Mund zu befördern. Er hörte rein gar nichts. Mund auf, Semmeln rein, Mund zu. So konnte es den ganzen Tag gehen.Wenn Speckerl mit Essen beschäftigt war, verschwand alles um ihn herum, wie in einer großen rosa und hellblau schillernden Seifenblase. Konzentriert verstaute er seine restlichen 35 Wurstsemmeln im Rucksack.

>>Speeeeeeeckerl, ich rufe dich zum aller Letzen Mal!!<< kam es jetzt schon recht verärgert aus dem Obergeschoss, aber es gab keine Rückmeldung. >>Ja darf denn das wahr sein? Wieso hört mich denn dieser Wurstsemmel-Wicht nicht? <<, murmelte Steckerl. Er verließ das Badezimmer und kam die Stufen runtergelaufen. Er war genau das Gegenteil von Speckerl.

 

Sportlich, leicht, schlank, baumlang, immer ein bisschen gestresst und nervös und sehr teuer und vornehm gekleidet. Durch seinen auffallenden Moustache, das ist ein gezwirbelter Herrenbart, blitzten die saubersten Zähne, und man musste sich schnell eine Sonnenbrille aufsetzen, um nicht geblendet zu werden. Tagsüber war er stets passend zur Jahreszeit gekleidet. Die Farben waren immer modern und aktuell. Steckerl war einfach vernarrt in Mode. Ein Modenarr, also.Er kannte alle Designer und Modeschöpfer, hatte in seinem Zimmer Poster und Bilder der schönsten Models hängen und träumte davon, irgendwann selbst als Mode Star entdeckt zu werden. Nicht nur sein Kleiderschrank war voll, auch seine Schmuckschatullen und Schmuckkästchen, gingen über. Er konnte einfach nicht anders und kaufte immerzu neue Sachen, bis er seinen neuen Look endlich gefunden hatte.

Steckerl machte aus allem eine Wissenschaft.

 

Er konnte einfach nichts normal und einfach machen, bei ihm musste immer alles ganz genau und perfekt sein. Selbst am Abend, wenn alle schon zu Bett gingen, war es für ihn noch lange nicht vorbei. Es vergingen oft Stunden, bis er zur Nachtruhe kam. Es ist kaum zu glauben, aber alles hatte bei ihm, immer denselben Ablauf.

 

Seine langen, rotblond gelockten Haare, trug er stets offen und kämmte sie mit 100 Bürstenstrichen jeden Abend, bevor er zu Bett ging. Danach knöpfte er behutsam seinen dunkelblauen Seidenschlafanzug zu. Die vergoldeten Knöpfe waren recht schwer, hatten Embleme mit kleinen hübschen Pferden und man musste schon sehr geschickt sein, diese ins Knopfloch zu schieben. Aber wer schön sein will, muss leiden. So saß Steckerl jeden Abend, vor dem Zubettgehen, noch sicher zwei Stunden, um alle Knöpfe ordnungsgemäß und richtig zuzuknöpfen.

Denn es könnte ja sein, dass ihn plötzlich ein Model Fotograf mitten in der Nacht, für ein Herren Modemagazin entdeckte! Auch seine Schlafmaske war natürlich ein Designerstück. Mit Glitzersteinen besetzt, schob er sie wie einen Haarreifen auf den Kopf, damit seine langen hellorangen Locken nicht in sein blasses Gesicht fielen. >>Viel zu Schade, als Schlafmaske zu verwenden<<, meinte er und trug sie nachts immer als Haarreifen. Steckerl ging nicht einfach zu Bett, er zelebrierte es. Nachdem er seine Samt-Pantoffel genau 15 Zentimeter neben dem Bett abgestellt hatte, begann er sich, sehr vorsichtig, in sein Bett zu legen. Kerzengerade ausgestreckt, die Finger am Körper entlang, die Füße parallel nebeneinander, den Kopf ganz gerade positioniert, in der Mitte seines Daunenpolsters. So lag er da. Nur damit sein schönes Bettlaken keine Falten bekam. Oft fragte man sich am Morgen, ob er überhaupt in seinem Bett geschlafen hätte, denn es sah immer so aus, als ob niemand darin gelegen wäre. Steckerl war mit Sicherheit, der vorsichtigste Schläfer, den man sich vorstellen kann. So leise und ruhig, selbst eine schwebende Feder, hätte ihn aufgeweckt. Und irgendwann, fielen auch ihm die Äuglein zu und er kam zur Ruhe. Denn am nächsten Tag musste er wieder fit sein, für ein neues Mode Projekt.

Eigentlich war es ein wahres Glück für ihn, dass sein Freund Speckerl, nur einen einzigen Pullover und eine einzige Cordhose besaß. Denn so wanderte die gesamte Garderobe, in Speckerls Schrank und das Platzproblem, war schnell beseitig. Mode! Das war Steckerl heilig. Seine heilige Garderobe! Seine heiligen Anzüge, Gürtel, Hüte, Schals, Schuhe und was sonst noch alles! So ein Blödsinn! Man musste sogar die Luft anhalten, wenn man sein Zimmer betrat, denn er wollte absolute Sauberkeit in seinen vier Wänden spüren. Ja, Steckerl war überaus penibel und so sauber wie er, war keiner in diesem Männerhaushalt. Steckerl war eben ein Perfektionist, gewissenhaft, fleißig und sehr gut erzogen.

 

Er stellte sich mit verschränkten Armen vor Speckerl >> Bitte Speckerl, sei so nett und gib mir jetzt deinen Pulli!! Ich laufe dir schon die ganze Woche hinterher! << Speckerl schaute auf und brummte >>Aber der Pulli ist doch noch so kuschelig und wir haben ihn doch erst gewaschen! <<   >>Nein, mein Lieber, da täuscht du dich, das ist schon 7 Wochen her!!<< 

>>Waaaaaas?? So lange schon? Aber ich will ihn noch nicht waschen, da sind noch wichtige Brösel von der letzten Wurstsemmel drauf! <<

Steckerl riss die Augen auf >> Was?? Und das sagst du einfach so? Komm gib sofort den Pulli her, sonst schenke ich ihn der Feuerwehr als Fangtuch!<< So schnell hatte Speckerl seinen Lieblingspulli noch nie ausgezogen und auch die Hose ging freiwillig mit, denn herschenken wollte er sein Gewand auf gar keinen Fall. Steckerl gab Speckerl eine seiner selbstentworfenen Togas und ging schnell wieder nach oben ins Badezimmer. Im Gehen erklärte er >>…Übrigens mein Lieber Speckerl, diese Toga habe ich selbst nach einem Original Schnitt eines römischen Kaisers entworfen und geschneidert und DU darfst diesen Umhang jetzt tragen! Also bitte schnall dir den Gürtel etwas höher und mach jetzt den ganzen Saustall in der Küche sauber!!!<<

Mit diesen bestimmenden Worten verschwand er in der Tür und man hörte nur noch ein paar unverständliche Sätze, die für Speckerl sowieso nicht mehr zu hören waren. Aufräumen soll er. Jetzt, sofort. >>Ich frage mich, welcher Saustall? Hier sieht es doch sehr gemütlich aus! Überall liegt Wurst herum und auch Semmeln, also mir gefällt es! << Um aber seinen besten Freund nicht noch mehr zu verärgern, begann er missmutig das ganze Wurstsemmel Chaos in der Küche in Ordnung zu bringen. Da klingelte es an der Haustüre. Es war Postbote Friedrich, der jeden Morgen die drei Freunde besuchte und gerne auch auf eine Tasse Kaffee blieb. Heute aber brachte er nur schnell einen Brief für Fleckerl vorbei.

Der schlief nämlich noch tief und fest, im zweiten Stock, in seiner Hängematte und träumte von Palmen und Mittelmeer. Er war also der dritte im Bunde. Fleckerl.

Eigentlich war er ein sehr geschickter Handwerker, sang dabei immer ein schönes Liedchen, nur war er leider sehr faul. Und obwohl es im Haus immer etwas zu reparieren gab, wurde es nie fertiggestellt. Fleckerl genoss sein Leben in vollen Zügen, kannte keinen Stress und war immer sehr entspannt. Wenn er einmal schlafen ging, stand er nicht vor Mittag auf und brauchte eine ganze Kanne Kaffee, um munter zu werden. Er liebte es den ganzen Tag keinerlei Verpflichtungen einzugehen und Hausarbeit und Küchendienst, waren für ihn nur Fremdwörter. Das einzige, was er pflegte, waren sein guter Humor und sein bunt kariertes Hemd, der Rest war ihm nicht so wichtig. Hygiene und Sauberkeit konnte man, bei den drei Freunden, wirklich nur bei Steckerl finden. Fleckerl war die gute Seele im Haus. Das Herz am richtigen Fleck, konnte er in jeder Situation die passenden Worte finden. Immer tiefenentspannt und seidenweich, freundlich und eigentlich nie in Eile.

Nun zu seinen Haaren. Also wenn ich ehrlich bin, glichen sie einem Vogelnest. Jeder Storch hätte sich mit Entzücken sofort reingestürzt und sein Nestchen darin gebaut. Aber da es um Fleckerls Kopf ging, geschieht das nur in meiner Vorstellung. Seine Haarpracht war wild und ungeordnet, mit schwarzen und bereits ein paar grauen Haaren. Ja, er war der älteste der Drei. Aber auch nicht so alt. Ein bisschen halt. So hatte er immer eine gute Ausrede, Dinge nicht mehr tun zu müssen, wenn er nicht wollte, da er sie sowieso schon irgendwann einmal in seinem Leben gemacht hat. Praktische Ausrede.

Also noch einmal zu den Haaren. Die standen büschelweise zu Berge und es schien, als hätte er in einer Steckdose übernachtet, mit Strom natürlich. Irgendwie erinnerte sein Erscheinungsbild ein bisschen an einen Hippie.

Zumindest sein lumpiges Gewand, dass immer schlampig angezogen war. Das Hemd hing zur Hälfte aus seiner Hose und die Knöpfe waren auch nicht richtig zugeknöpft. Jeder zweite Knopf war falsch geknöpft. Ärgerlich. Aber nur für Steckerl, der ihn jeden Tag umknöpfeln musste, auch wenn er das nicht wollte. >> Ordnung muss sein! << pflegte Steckerl stets zu predigen und dabei hob er seinen linken Zeigefinger hoch in die Luft und fuchtelte wild herum, sodass man immer seinen funkelnden Goldring sah, der mit den grünen Katzenaugen. Steckerl und sein Modeschmuck!  Ich sage nur heilig!

Wie gesagt, Fleckerl legte im Gegensatz zu Steckerl, nicht so viel Wert auf sein Äußeres. Eigentlich gar keinen. Für ihn zählten einzig und allein die inneren Werte. Und das war gut so.Fleckerl konnte in Sekunden mit jedem Menschen, der ihm begegnete, ins Gespräch kommen und plauderte für sein Leben gern. Wenn er nicht immer so viel schlafen würde, . . .

Seine Kunst, bei jedem Streit, eine friedvolle Lösung zu finden, wurde ihm mit Sicherheit in die Wiege gelegt. Apropos Wiege. Die hat er noch, denn darauf ist er sehr stolz. Sie ist aus einer alten Bootsplanke gezimmert worden, da seine Eltern so arm waren und sich keine andere Wiege leisten konnten. Sie lebten vom Fischfang und alles was die See so hergab. Sein Vater war ein berühmter Seemann und erzählte oft unheimliche Geschichten, die teils wahr und teils mit sehr viel Seemannsgarn gestrickt waren.

Fleckerl kannte sie alle noch, und wenn er ein bisschen über den Durst getrunken hatte, dann konnte er davon, sehr ausführlich, berichten. Die Mutter von Fleckerl hatte viele Geschwister. Sie selbst wusste nie so genau wie viele und hatte keinen Überblick, aber zwischen 24 und 26 Geschwister dürften es schon gewesen sein. Eine sehr fruchtbare Gegend, dieses Dorf an der See.

Fleckerl konnte sich noch genau daran erinnern. In seiner Kindheit wusste er nie, wer eigentlich genau seine Mutter war. Denn alle Frauen trugen dieselbe Frisur. Die schwarzen zerzausten Haare, wurden streng zu einem Knoten am Kopf gebunden. Alle hatten auch immer dieselben Kleider an. Weiß mit hellgelben und hellgrünen Tupfen darauf. Die fand er als Kind immer so lustig. Dann konnte er sich auch noch an die vielen geblümten Küchenschürzen erinnern, die über und über mit kleinen roten Rosenblüten verziert waren. Und, sie hatten alle eine Brille auf ihrer großen Nase. So wurde schnell klar, er hatte nicht nur eine Mutter, sondern sehr viel mehr, die alle immer darauf bedacht waren, Fleckerl bei allem zu helfen, ihn zu füttern und umsorgen, auch wenn es harte Zeiten waren, und sie oft hungern mussten. Doch sie waren alle sehr geschickte und freundliche Leute.

So gab es immer genug zu essen im Haus und Arbeit sowieso. Wer an der See wohnt, weiß wovon ich spreche. Das waren also alles Tanten von Fleckerl. Einen Onkel hatte er leider nie. Dafür aber einen Großvater, aber der ist irgendwo im Meer ertrunken. Eine traurige Geschichte, die Fleckerl nicht gerne erzählt.

>>Bringen sie ihm den Brief rauf in den zweiten Stock? Herr Speckerl, oder soll ich...? << fragte der Postbote, denn immerhin war es ein altes Haus, mit drei Stockwerken und vielen Stufen. >>Ja, bitte! Sie sind viel schneller als ich, lieber Herr Friedrich, und wenn ich bedenke, dass ich das letzte Mal drei Stunden gebraucht habe, weil ich immer so außer Puste kam... ja bitte, bringen sie Fleckerl den Brief und vielen Dank! <<

Der Postbote Friedrich huschte wie ein Wiesel geschwind die Treppen in den zweiten Stock und klopfte an die Türe. Natürlich hörte er nur ein lautes Schnarchen. Er schob den Brief unter der Türe hindurch, verabschiedete sich und verschwand.

>>Jetzt habe ich gar nicht gefragt, von wem der Brief ist? <<, grübelte Speckerl>> Naja, spätestens zu Mittag werde ich es erfahren, bis dahin räume ich die Küche weiter auf, sonst bekomme ich Ärger! <<

...

 

© 2020  by  Petra Suk , www.sukpetra.com, Wien, 1120  -   suk@chello.at   - Werbesprecherin &  freie Autorin für Kinderbücher